Neo Realisten, mit ihrem riesigen Hunger nach Authentizität, wenden sich von globalisierten und vereinheitlichten Angeboten der Big Players und Großkonzerne ab, in der ständigen Suche nach Echtheit. Echtes Essen, echte Politik, echte Schulen, echte Gemeinschaft, echte Medizin, echte Kultur, echte Geschichten… Natürlich lehnen sie das bestehende massenkonventionelle Angebot nicht ab, sind aber trotzdem auf der Suche nach lokalen Anbietern – ansässigen, kleinen echten Marken und Produkten, deren Ideologie oder Motivation unmittelbar verstanden werden kann – Lebensmittel aus organischem Anbau, Slow Food, Alternativen zu Musik-Compilations, substanzielle Kunst, No-Logo Mode. Diese gesamte Produktpalette ist im Grunde nur eine Antwort auf die Suche nach einem persönlichem Verhältnis, persönlicher Bezugnahme und eben echten Erfahrungen. Neo-Realismus ist keine konservative Strömung auf der Suche nach traditionellen Werten, sondern ein Versuch althergebrachte Lebensweisheiten auf ein modernes Leben umzumünzen. Gleichermaßen hat diese Einstellung etwas progressives an sich. So wie in den 90er Jahren Lebensmittel aus Übersee eine Art Antwort auf Hedonismus und die individuelle Authentizitätsuche des Konsumenten waren, sind es jetzt Produkte, die eben für die Einzigartigkeit des Ortes oder der Region stehen, in der man sich befindet.